Giecherla odder Gaggerla?

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Die vielzitierte Frage, was war zuerst da, die Henne oder das Ei – man kann das auch in gewisser Weise auf die Torhüterfrage beim Ruhmreichen anwenden. Oder anders gefragt: steckt ein unsicherer Torhüter seine Vorderleute in der Innenverteidigung an oder wird ein Torhüter durch unsichere Innenverteidiger zum Unsicherheitsfaktor?

Sommer 2014, der 1. FC Nürnberg war soeben aus der Bundesliga abgestiegen, die letzten Ratten Spieler verließen das sinkende Schiff den Valznerweiher, ein noch nie dagewesener Umbruch deutete sich an. Dem frisch verpflichteten Trainer Valérien Ismaël und Wolfgang Wolf auf dem neu geschaffenen Posten des Leiters Fußballabteilung oblag es, ein neues Team zu formen, das möglichst den sofortigen Wiederaufstieg in Angriff nehmen sollte. Jeder rechnete damit, dass man den damals 35jährigen Raphael Schäfer ins zweite Glied schieben und den jungen Patrick Rakovsky zum neuen Stammtorhüter aufbauen wird.

Doch es folgte der bekannte Katastrophenstart mit der 1:5 Niederlage in der Westvorstadt als Höhepunkt. Kurz vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wurde als interne Maßnahme Raphael Schäfer zur Keeper Nummer 3 degradiert, Rakovsky zur Nummer 1 befördert, angeblich nicht allein durch Ismaël, da soll auch Martin Bader seine Finger im Spiel gehabt haben. Dies konnte den Trainer zwar auch nicht mehr retten, jedoch setzte auch der neue Coach René Weiler erst einmal auf die Dienste von Rakovsky, holte aber Schäfer wieder als Nummer 2 in den Kader zurück. Nach diversen Fehlern in der Rückrunde, ich erinnere an das Heimspiel gegen Heidenheim und das Auswärtsspiel auf dem Betzenberg, stand dann ab dem 26. Spieltag wieder Raphael Schäfer im Kasten, Rakovsky wurde der Posten als neuer Stammkeeper nicht mehr zugetraut.

Entsprechend wurde nun in der vergangenen Sommerpause die Suche nach einem neuen Torhüter intensiviert, denn aufgrund der Tatsache, dass Schäfer zu Beginn der Rückrunde bereits 37 Lenze zählen und sein Vertrag im kommenden Sommer auslaufen wird, kam man an einem Generationswechsel nicht mehr vorbei. Die Wahl fiel nach längeren zähen Verhandlungen auf Thorsten Kirschbaum vom VfB Stuttgart, der bereits im Jugendbereich das Trikot des Ruhmreichen trug, bevor ihn der Ruf aus Hoffenheim ereilte. Für eine Summe im unteren 6-stelligen Bereich wechselte Kirschbaum mit der Erfahrung von 92 Zweitliga- und 9 Erstligaspielen an den Valznerweiher.

Doch nun, nach dem nunmehr 9. Spieltag, scheint es so, als gäbe es eine erneute Rotation auf der Torhüterposition. Ja, Kirschbaum hat sich vergangenen Montag im Training eine leichte Meniskusverletzung zugezogen. Aber nun ist er bereits wieder beschwerdefrei ins Training wieder eingestiegen, doch trotzdem wollte sich René Weiler auf der gestrigen Pressekonferenz noch nicht festlegen, wer denn in Leipzig zwischen den Pfosten stehen wird. Die Gründe sind offensichtlich, nicht nur einmal wackelte Kirschbaum bei hohen Bällen und war damit schon an 3 Gegentoren in dieser Saison maßgeblich beteiligt. Dies schlägt sich auch in der Rangliste des Kicker nieder, in welcher Kirschbaum mit einem Notenschnitt von 4,0 (!!!) das Tabellenende aller benoteten Torhüter der 2. Liga ziert.

Klar, nun kann man schnell den Stab über einen Torhüter brechen, Chance nicht genutzt, das wars! Aber ist das wirklich so einfach? Kann man wirklich jeden Fehlen allein einem Keeper ankreiden? Ist er denn nicht auch abhängig von den Innenverteidigern vor sich, da von der ganzen Defensivleistung eines Teams? Oder ist es umgekehrt eher so, dass Innenverteidiger nur dann glänzen und sicher stehen können, wenn sie einen überragenden Keeper hinter sich wissen? Also auf gut deutsch: ist Kirschbaum so schlecht, weil vor ihm Hovland, Bulthuis und Co. ihm so wenig Unterstützung zukommen lassen, oder wackeln Hovland, Bulthuis und Co. deswegen so oft, weil sie nicht die Rückendeckung eines starken Kirschbaum spüren, der die Abwehr vor ihm auch lautstark und selbstbewusst dirigiert?

Ich muss gestehen, ich bin hier auch noch nicht ganz sicher in meiner Entscheidungsfindung. Ich tendiere ja eher dazu, Kirschbaum in Schutz zu nehmen und ihm Zeit zu geben. Doch nach dem 0:2 gegen Bielefeld konnte auch ich meinen Unmut über die Torhüterleistung nicht hinunterschlucken… Wie seht ihr das, muss man die Leistung differenziert betrachten oder hat Kirschbaum seine Chance schon verspielt? Wer soll Sonntag bei den Dosen im Tor stehen, wer soll auf lange Sicht das Gehäuse hüten?

Marcus Schultz

Marcus Schultz

Franke durch Geburt, Clubfan aus Überzeugung
Stadiongänger seit dem 21.10.1978
Wichtig: Nur WIR sind der Glubb!!!
Marcus Schultz

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